Deutsche Grammatik kinderleicht und spielerisch erlernen- geht das?

Seit mehr als dreißig Jahren arbeitet Anne Peters als Lehrerin und Lerncoach und hat immer davon geträumt, dass sich Lernen für alle wie Glück anfühlen kann. Mit Yaylas Wiese e.V. geht der Lebenstraum in Erfüllung. Aber wie funktioniert das Lernkonzept "Gemeinsames Aktivlernen"? Wir haben Anne Peters von Yaylas Wiese e.V. gefragt.

Was genau versteht ihr unter "Gemeinsames Aktivlernen"?

Anne: „Das Konzept „Gemeinsames Aktivlernen“ entwickelte ich in langjähriger Praxis als Lehrerin und Lerncoach. Jeder von 9 bis 99 kann damit entdecken, wie gemeinsames Lernen frei von Ängsten gelingt und zur positiven Lebensgewohnheit wird.

Ein Geheimnis des Erfolgs liegt in den 5 Lernstufen: Erst eigne ich mir durch genaues Beobachten (1) und Üben (2) eine neue Fähigkeit an, genieße den Flow des Könnens (3), gebe dann das Gelernte an andere weiter (4) und wende es aktiv an (5). Yaylas Wiese begleitet die 5 Lernstufen, sodass jeder Lernende auch zum Lehrenden wird und das Gelernte anwenden kann. Diese Lernbeziehung auf Augenhöhe verursacht Glücksgefühle. Ganz unterschiedliche Menschen entdecken Gemeinsamkeiten und freundschaftliche Gefühle füreinander.

Die Wirksamkeit unserer Lernmethode wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert von der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam 2016 wissenschaftlich evaluiert und bestätigt.“

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Wie kam es zu Eurem ungewöhnlichen Lernkonzept?

Anne: „Jahrelang beobachtete ich gemeinsam Lernende, „schaute ihnen in Herz und Kopf“ und fragte bei erfolgreichen Lernern nach: Was denkst du, wie gehst du vor? Aus den Antworten entwickelte ich methodische „Tricks“, die ich an weniger schnelle Lerner detailgetreu weitergab und siehe da: es wirkte! Mit den Jahren entstand so dieses zwar ungewöhnliche, aber leicht eingängige Lerncoaching-System. Es hat viel gemeinsam mit intuitivem, informellem Lernen, das die Resonanzpädagogik beschreibt oder auch Lernforscher zum Thema „Spielgelneuronen“ und „gehirngerechtes Lernen.“

Seit 2003 erprobten wir in selbstorganisierten kleinen Projekten die Wirksamkeit an unterschiedlichen Lernorten in Familie, Gemeinwesen und Schulen und haben nun den Verein Yaylas Wiese e.V. gegründet, um das inzwischen skalierbare Konzept an jeden Interessierten weitergeben zu können.“

Wie kamt ihr auf die Idee auch geflüchtete Kinder am Gemeinsamen Aktivlernen teilhaben zu lassen?

Anne: „Kinder aus unseren Sprachprojekten an einer Kreuzberger Schule kamen im Sommer 2015 auf uns zu: „Wir müssen den vielen geflüchteten Kindern zeigen, wie sie mit der Yaylas-Wiese-Methode viel schneller Deutsch lernen und Freunde finden können.“ Diesen Auftrag nahmen wir freudig an und organisierten die Herbstakademie 2015 für Berliner Kinder mit und ohne Fluchterfahrung. Es kamen aber auch Eltern und Verwandte der geflüchteten Kinder sowie am Lernkonzept interessierte Ehrenamtliche mit mehr als 50 Menschen.

Für ALLE Beteiligten war dies ein Schlüsselerlebnis. Menschen, die sich im Alltag kaum näher gekommen wären, begeisterten sich und wurden zu einer Lerngemeinschaft. Sonntags treffen wir uns weiterhin und es entsteht gerade eine Art „Graswurzelbewegung des Deutschlernens“.

Weit über 100 Menschen würden gern sofort mit einsteigen: Sonntags bei uns die wertvollen Lernimpulse abholen, die Woche über im eigenen Umfeld selbstständig üben und das Gelernte an andere weitergeben. Wo wir auch hinkommen, möchten sich Menschen anschließen.“

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Sind inzwischen auch Schulen an eurem tollen Lernkonzept interessiert?

Anne: „Mehrere Schulen haben ihr Interesse ausgesprochen, wissen aber oft nicht, wie es sich finanzieren/organisieren lässt, dass LehrerInnen die Lernvermittlungsmethode erlernen können. Denn „Reden über“ hilft hier nicht, eher das gemeinsame Praktizieren des Lernkonzeptes. An der Kreuzberger Aziz-Nesin-Grundschule führen wir seit 3 Jahren Sprachprojekte für die 3. und 4. Klassen, sowie seit 2016 für Willkommensklassen, durch. Dort beziehen wir die Deutschlehrerinnen ein und erarbeiten für sie erfolgreich Konzepte, den „klassischen“ Deutschunterricht mit Elementen des Gemeinsamen Aktivlernens zu bereichern. Wir danken Frau Prof. Sandra Niebuhr-Siebert von der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam für einen intensiven Austausch, den sie mit uns bezüglich des Lernkonzeptes führt. So findet unsere „Graswurzellernbewegung“ Anschluss an den wissenschaftlichen Diskurs.“

Was sind Eure Ziele?

Anne: „Wir möchten das Thema Lernen „aus der Schule befreien und ins Leben holen“ und wir möchten authentisches Lernen in die Schulen tragen und dafür allen Beteiligten konkrete praktizierbare Instrumente vermitteln. Menschen mit unterschiedlicher kultureller Herkunft möchten wir dabei begleiten, gemeinsame Lernsache zu machen und hinter allen Unterschieden verbindende Gemeinsamkeiten zu entdecken.“

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